Tom & Malou

Herzklopfen on Tour

VÖ: 23.02.2018
ISBN 9783958693418
Taschenbuch, E-Book
Große Liebe, Reisen, Sina Müller

»Es liegt an uns selbst, aus einem gewöhnlichen Augenblick einen perfekten Moment zu erschaffen.«

Tom ist überglücklich – die langersehnte US-Tour seiner Rockband »Amblish« steht an und die will er in vollen Zügen genießen. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht die neue Management-Assistentin, die nicht nur seine Pläne durchkreuzt, sondern auch jede Menge Chaos in Toms Leben bringt.

Für Malou sollte das Praktikum die Chance ihres Lebens sein. Aber neben der nervenaufreibenden Arbeit mit dem skandalträchtigen Bassisten Tom, legen ihr eindeutige Klauseln Steine in den Weg, über die nicht nur sie stolpern könnte.

Teil 1 der neuen zweiteiligen Rockstar-Romance um die Band Amblish von Sina Müller. Band 2 „Tom & Malou – Liebe Backstage“ erscheint noch im Frühsommer 2018.

Mein Blick huschte zu dem Musiker, den ich gerade unterbrochen hatte. Im Geiste ging ich die üblichen Bands durch, die öfter in Mannheim anzutreffen waren und versuchte, ihn einer zuzuordnen. Wer war er? Wo gehörte er hin? Und welches Instrument spielte er?

»Ich bin Malou«, startete ich fröhlich und streckte ihm meine Hand entgegen, in der Hoffnung, dass mir sein Vorname etwas weiterhelfen würde.

»Malou? Ein ungewöhnlicher Name …«

Ich verdrehte unwillkürlich die Augen weil ich diesen fragenden Gesichtsausdruck schon zu oft gesehen hatte und überlegte kurz, ob ich ihm die übliche Geschichte auftischen sollte. Manche Kerle schien die Vorstellung anzutörnen, ich könnte hawaiianischer Abstimmung sein. Aber ich entschied mich für die Wahrheit.

»Marie-Louise … nach meinen Großmüttern …«, gab ich ihm knapp Auskunft.

Sein Interesse an der Herkunft meines Namens schien jedoch bereits abgeflaut zu sein. Fast schon fürchtete ich, dass er seinen Blick losriss und wie selbstverständlich über meinen spärlich bekleideten Körper wandern ließ. Stattdessen schaute er mir nur in die Augen, tief und unergründlich, was sich seltsam anfühlte und doch ließ ich mich gefangen nehmen von dieser tiefblauen Farbe, die an den Himmel über der Abenddämmerung erinnerte. Nach ein paar Sekunden brach ich den Kontakt ab und blickte mich im Raum um. Mein pochender Herzschlag rauschte mir in den Ohren.

»Und? Verrätst du mir deinen Namen und in welcher Band du spielst?«, fragte ich, um sein Schweigen zu brechen. Und um mich von den Erinnerungen an diesen viel zu durchdringenden Blick abzulenken. »Ich bettle auch nicht nach einem Autogramm. Versprochen!« Erwartungsvoll zog ich die Augenbrauen hoch und wagte ein Lächeln.

»Hach, unsere Malou.« Julian zog mich in eine Umarmung, die eher etwas von einem Schwitzkasten hatte. »Versau mir das nicht. Er ist einer meiner zukünftigen Kunden!«, raunte er mir leise zu und lachte schließlich lauthals auf, als hätte ich einen besonders lustigen Witz erzählt.

Der blonde Kerl schien sich sichtlich darüber zu amüsieren, dass ich fast das Gleichgewicht verlor und beängstigend auf meinen Stilettos schwankte.

»Das ist Tom Heinrich von Amblish«, stellte mir Julian dennoch den Blondie vor.

Tom. Von Amblish. Mein Hirn ratterte auf Hochtouren und setzte in Rekordgeschwindigkeit alle Einzelteile des Puzzles zusammen. Tom, der Bassist. Tom, neben Sänger Josh der zweite Mädchenschwarm der angesagten Popband.

Augenblicklich kam mir das Praktikum in den Sinn und trieb mir das Blut in die Wangen. Natürlich könnte ich fragen, ob sie schon eine Kandidatin in der engeren Auswahl hatten. Könnte ihm erzählen, dass ich scharf auf den Job war. Und vielleicht, wenn ich es nicht ganz doof anstellte, könnte ich mir einen klitzekleinen Vorteil ergaunern. Aber nein. Ich konnte mir vor Julian wirklich nicht die Blöße geben, dass ich sogar ein Casting auf mich nahm, um an ein Praktikum zu kommen, während er bereits einen Vertrag für einen vollwertigen Job in der Tasche hatte.

Ich würde auch nicht an Toms Lippen hängen und betteln. Entweder ich bekam das Praktikum, weil ich die Beste dafür war. Oder eben nicht. Noch war mein Stolz größer als der Wunsch, endlich einen Vertrag zu unterschreiben.

»Amblish also?«

Tom nickte.

»Dann zieh ich mein Versprechen zurück. Ich brauch ein kurzes Servus von dir. Sonst killt mich meine beste Freundin.«

»Und dass du wegen mir ermordet wirst, wollen wir ja nicht.« Der Schalk blitzte in seinen tiefblauen Augen auf und ließ mich sogleich grinsen. »Hast du was zum Schreiben?«

Ich schüttelte den Kopf und versuchte, meinen rasenden Puls zu beruhigen. Mein Gott, er war doch auch nur ein Mensch. Ein attraktiver Mensch. Ein verdammt attraktiver Mensch, der mir echt gut gefiel.

»Aber du siehst so aus, als wärst du allzeit gewappnet für all die ach so schmachtenden Groupies. Oder?«, sagte ich mit einem provozierenden Unterton und schaute ihn herausfordernd an. Die Sorte Mann kannte ich zu gut. Nicht nur während meiner Ausbildung hatte ich mit zahlreichen selbstverliebten Musikern zusammengearbeitet. Auch die Pop-Akademie war voll davon gewesen.

»Sorry, heute muss ich dich enttäuschen. Mein LKW mit Autogrammkarten hatte leider eine Panne. Aber ihr Mädels habt doch immer so eine Mary-Poppins-Zaubertasche dabei.« Er deutete auf die winzige Clutch in meinen Händen.

»Ich sehe schon, ich bin hier überflüssig …«, grätschte Julian dazwischen und verabschiedete sich. »Wir sehen uns dann bei Triple X, Tom.«

Schon lief Julian zu einer Gruppe aus dem Studium und klinkte sich in deren Unterhaltung ein. Ich lächelte ihm dankbar hinterher. Die Unterhaltung mit einem von Leos Idolen begann, mir Spaß zu machen.

»Mhm, das tut mir leid. Heute habe ich nur das Allernötigste dabei. Kondome, Handschellen, Knebel … so Kram eben«, kam ich auf seinen Ausspruch zurück. Ich zog bedauernd die Augenbrauen zusammen und musste mir ein Lachen verkneifen. Sein Blick war Gold wert. Offenbar konnte er überhaupt nicht einschätzen, wie er am besten auf meine Äußerung reagieren sollte.

»Okay!« Es war nicht dieses Ist-gut-nächstes-Thema-Okay, sondern dieses zweideutige Okay, das eine Menge an Interpretationsspielraum erlaubte. Er räusperte sich. »Dann werde ich wohl oder übel mit Blut unterschreiben müssen. Gönnst du mir vorher einen Drink mit dir?«

»Wie könnte ich da Nein sagen? Schließlich bin ich zum Feiern hier.« Einen Moment erfreute ich mich an der Tatsache, dass Tom nicht wusste, wie er mich einordnen sollte. In Schubladen fühlte ich mich ohnehin nicht sonderlich wohl, die waren mir einfach zu eng.